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Rückkehr nach Masuren

Im Jahr 2017 begleitete Autor und Regisseur Daniel Raboldt eine Expedition von deutschen und polnischen Historikern und Landschaftsarchitekten in die tiefen Wälder Masurens, um für das Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf eine Dokumentation über die die sogenannten „verlorenen Dörfer“ und deren Restauration durch Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Ermland-Masuren Olsztyn zu machen.

Die Wälder von Masuren

Dabei herausgekommen ist der knapp 40-minütige Dokumentarfilm „Im Rücken der Geschichte“, der im Februar 2018 seine Premiere in Düsseldorf feierte. Seit August diesen Jahres existiert dank der Schauspielerin und Synchronsprecherin Izabela Gwizdak auch eine polnische Version des Films, die am 3. September in Olsztyn Premiere hatte.

Er handelt nicht nur von der Geschichte des verschwundenen Volkes der Masuren, sondern auch von der Frage, wie wir mit Geschichte umgehen können und sollten. Das Projekt selbst, eine Zusammenarbeit zwischen vielen deutschen und polnischen Institutionen und Universitäten, ist ein Paradebeispiel für internationale Zusammenarbeit und Menschen, die sich über nationale Grenzen hinweg kennen lernen, miteinander arbeiten und zusammen die gemeinsame Vergangenheit erfahren.

Vor zwei Wochen, am 2. September 2019 startete nun die dritte Expedition in das 1800 Kilometer entfernte Örtchen Pisz. Daniel Raboldt ist erneut mitgefahren. Diesmal geht es jedoch um ein neues Projekt: Eine Webserie über die verlorenen Dörfer. Pro Episode soll ein Dorf in Kurzform vorgestellt werden. Wer hat hier gelebt? Gibt es eine interessante Geschichte zu erzählen?

Der zweiwöchige Dreh geriet sogar noch abenteuerlicher als der letzte. Fehlbuchungen im Hotel, ein Auto und eine Kamera wurden zerstört, Daniel selbst ging auf einem Kajak verloren und wurde erst ein paar Stunden später ziemlich erschöpft wiedergefunden. Aber das Projekt hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren und wenn alles gut geht und die ersten Folgen gut ankommen, dann wird vielleicht eine dauerhafte Serie daraus. Es heißt also: Daumen drücken!

Spuren der Vergangenheit

Alle bisherigen Posts zur Entstehung des Dokumentarfilms und des Projekts selbst sind übrigens in der Kategorie „Die verlorenen Dörfer“ zu finden.

Richeza-Preis für das Masuren-Projekt

Für den Dokumentarfilm „Im Rücken der Geschichte – Die verlorenen Dörfer von Masuren“ begleitete Autor und Regisseur Daniel Raboldt ein Gruppe von deutschen und polnischen Forschern und Studenten in die Wälder Masurens, wo sich die Expedition auf die Suche nach Dörfern begab, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs vergessen sind.

Das Projekt, das von verschiedenen deutschen und polnischen Institutionen getragen wird, geht natürlich weiter. Auch in diesem Jahr wird es eine Expedition geben, bei der Deutsche und Polen nach Spuren der verlorenen Dörfer suchen, um gemeinsam die eigene Vergangenheit aufarbeiten. Dieses großartige Projekt wurde jetzt mit dem Richeza-Preis des Landes NRW für „herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung“ ausgezeichnet. Ich bin sehr stolz, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja eines Tages eine Fortsetzung des Filmes.

Uraufführung von „Im Rücken der Geschichte“

Nach fünf langen Monaten des Drehens und Schneidens  hatte der Dokumentarfilm „Im Rücken der Geschichte – Die verlorenen Dörfer von Masuren“ am Mittwoch, dem 28. Februar 2018 in Düsseldorf seine Uraufführung.

Bei vielen masurischen Gerichten, Häppchen und Getränken wurde im Anschluss viel zwischen den anwesenden deutschen und polnischen Gästen, den Studenten und Forschern und auch mit Filmemacher Daniel Raboldt diskutiert.

Der Film wurde sehr gelobt und viele ältere Menschen bedankten sich für die durchaus auch kritische Reise in die Vergangenheit. Wie sollten / dürfen Forscher vorgehen bei der Rekonstruktion der Vergangenheit? Gibt es ein Recht auf Vergessen? Und welche Rolle spielt das Aufkommen von nationalistischem Gedankengut (heute und damals) im normalen Alltagsleben der Menschen?

Das Masuren-Projekt des Gerhart-Hauptmann-Hauses, der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf wird auf jeden Fall in Zusammenarbeit mit den polnischen Organisationen Sadyba Mazury und Borussia fortgeführt.

Denn wenn es etwas gibt, das man einer Politik der Grenzen und auch der zurzeit in ganz Europa wieder aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit entgegen stellen kann, dann ist es die Zusammenarbeit zwischen Menschen verschiedener Länder und Kulturen. Ein Beispiel dafür liefert der Film „Im Rücken der Geschichte“.

Masuren – Die verlorenen Dörfer

Tief in den masurischen Wäldern in Polen findet man plötzlich, überwachsen von Bäumen, Moos und Unterholz, sehr alte vergessene Gräber.

Ganze Friedhöfe hat es hier einst gegeben, die zu Dörfern gehörten, die zwar Jahrhunderte überdauert haben, aber seit circa 70 Jahren einfach verschwunden sind. Löcher im Boden, zerfallene Mauerwerke und manchmal eine Tasse oder ein Grabkreuz, zwanzig Zentimeter unter dem Waldboden, deuten heute noch darauf hin, dass hier Menschen gewohnt und gearbeitet und ihre Familienangehörigen begraben haben.

Die Menschen, die hier lebten, wurden „Masuren“ genannt, heute heißt nur noch die Gegend so. Wer waren diese Menschen? Wie haben sie gelebt und warum sind sie verschwunden? Damit beschäftigen sich deutsche und polnische Historiker von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf, dem polnisch-deutschen Verein Borussia, polnische Landschaftsarchitekten und andere.

Im September 2017 verbrachte Daniel Raboldt zwei Wochen mit ihnen in den Wäldern des ehemaligen Ostpreußens, um das Projekt, die Friedhöfe wieder sichtbar zu machen, sie zu konservieren und dem Vergessen zu entreißen, zu dokumentieren.